Tagesgeldkonto – ja oder nein?
Ein Tagesgeldkonto ist der richtige Ort für den Notgroschen, aber nicht für langfristiges Sparen, der Guthabenzins liegt zu oft unter der Inflationsrate.
Der Notgroschen
Der Notgroschen fängt die kaputte Waschmaschine oder den Jobverlust auf. Er muss sofort verfügbar sein und darf nicht schwanken, deshalb gehört er auf ein verzinstes Tagesgeldkonto. Das Girokonto bringt keine Zinsen und sollte nur für die laufenden Einnahmen und Ausgaben genutzt werden.
Höhe des Notgroschens
Die Verbraucherzentrale rät zu zwei bis drei Monatsgehältern, Finanztip zu drei bis fünf Nettomonatsgehältern. Genauer ist die Rechnung über die Ausgaben: Miete, Energie, Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität und Kreditraten addieren und mit drei bis sechs multiplizieren. Bei 1.800 Euro Fixkosten im Monat sind das 5.400 bis 10.800 Euro.
Bei unbefristetem Job und planbaren Ausgaben reicht die untere Grenze. Bei befristetem Vertrag, schwankendem Einkommen oder hohen Fixkosten solltest du eher oben ansetzen. Selbstständige brauchen meist mehr, weil kein Arbeitslosengeld auffängt.
Die Höhe der Zinsen
Auch Tagesgeldzinsen hängen am Einlagensatz der Europäischen Zentralbank (EZB). Das ist der Zins, zu dem Banken Geld über Nacht bei der Zentralbank parken. Den aktuellen Satz findest du auf der Website der EZB unter den Zinssätzen. Was davon bei dir ankommt, entscheidet der Wettbewerb der Banken um neue Kunden.
Ein Festgeldkonto bringt höhere Zinsen, bindet das Geld aber für eine feste Laufzeit. Für den Notgroschen ist es daher ungeeignet.
Übrigens: Wenn du planst, Geld für zehn oder fünfzehn Jahre anzulegen, solltest du laut Finanztip einen Teil in Aktien oder börsennotierte Indexfonds anlegen. Nur so sind dauerhaft Renditen über der Inflationsrate realistisch.
Aktionszins und Standardzins
Natürlich möchtest du möglichst hohe Zinsen für dein Tagesgeldkonto abgreifen. Das wissen auch die Anbieter. Viele Banken locken mit Aktionszinsen. Dieses Angebot ist aber meist befristet, danach gilt der Standardzins. Manchmal wird als Bedingung für den höheren Zinssatz auch die Eröffnung eines Girokontos verlangt. Lies dir daher vor dem Wechsel auch das Kleingedruckte genau durch.
Ein Vergleich des angebotenen Zinssatzes mit der aktuellen Inflationsrate ist sinnvoll. Die Inflationsrate veröffentlicht das Statistische Bundesamt monatlich im Verbraucherpreisindex. Liegt dein Zins darunter, verlierst du Kaufkraft.
Ein Rechenbeispiel mit frei gewählten Zahlen: Bei 10.000 Euro, 3 Prozent Inflation und 2 Prozent Zins hast du nach einem Jahr 10.200 Euro. Für dieselbe Kaufkraft bräuchtest du 10.300 Euro. Die Differenz von 100 Euro ist dein Kaufkraftverlust.
Was das Konto kosten darf
Tagesgeldkonten sind meist kostenlos. Ausnahmen gibt es bei älteren Konten einzelner Banken. Die Zinsen sind auf das Tagesgeldkonto sind steuerpflichtig, die Bank führt die Abgeltungsteuer ab. Mit einem Freistellungsauftrag bleiben bis zu 1.000 Euro Zinsen steuerfrei, das ist der Sparer-Pauschbetrag für Alleinstehende.
Wie das Geld geschützt ist
Die gesetzliche Einlagensicherung deckt Tagesgeld bis 100.000 Euro pro Person und Bank ab. Die Grenze gilt pro Bank, nicht pro Konto. Wer bei einer Bank Tagesgeld und Girokonto hat, ist also insgesamt bis 100.000 Euro geschützt.
EU, EWR und die Länder dazwischen
Abgesichert sind Banken in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Der EWR umfasst die EU-Staaten plus Island, Liechtenstein und Norwegen. Die Schweiz gehört nicht dazu. Die Regeln sind EU-weit einheitlich, die Systeme sind national organisiert. Die Grenze von 100.000 Euro gilt in allen EU- und EWR-Ländern. Was darüber hinaus geschützt ist, unterscheidet sich: In Deutschland gibt es eine freiwillige Zusatzsicherung der Banken, die in anderen Ländern oft fehlt.
Banken außerhalb von EU und EWR, etwa in der Schweiz oder in Großbritannien, fallen nicht darunter. Dort gelten eigene Systeme mit eigenen Grenzen, deren Regeln du vorher prüfen solltest.
Bei Anlagen in anderer Währung, z. B. bei einem Tagesgeldkonto einer schwedischen Bank, ändert sich der Euro-Wert der Absicherung mit dem Wechselkurs.
Verteilung über Plattformen
Falls du die besten Zinskonditionen für ein Tagesgeldkonto über Vermittlungsplattformen suchst: Diese verteilen dein Geld oft auf Partnerbanken, auch außerhalb von EU und EWR. Ob die Einlagensicherung greift, hängt davon ab, wo das Geld tatsächlich liegt: bei der Partnerbank oder noch auf einem Verrechnungskonto der Plattform. Ein Betrag, der täglich verfügbar wirkt, ist nicht automatisch geschützt. Recherchiere deshalb selbst genau, bevor du einer Plattform dein Geld anvertraust.
Viele Banken, die in Deutschland Tagesgeld anbieten, sitzen in einem anderen EU-Land, etwa Frankreich. Innerhalb von EU und EWR ist das unproblematisch. Bei einem Institut außerhalb davon musst du das Insolvenzrisiko selbst abwägen. Prüfe deshalb im Angebot, wo die Partnerbank sitzt, bevor du überweist.
Fazit
Tagesgeld bleibt die richtige Wahl für den Notgroschen. Ob sich ein ständiger Wechsel aufgrund höherer Zinsen lohnt, musst du selbst entscheiden. Angenommen, ein anderes Konto bringt einen Prozentpunkt mehr. Dann sind das bei 10.000 Euro rund 100 Euro im Jahr. Den Zeitaufwand dafür solltest du gegen diesen Gewinn rechnen. Für langfristige Investments ist das Tagesgeldkonto in jedem Fall das falsche Instrument.
Quellen
Europäische Zentralbank (EZB): Zinssätze der EZB, Einlagefazilität. https://www.ecb.europa.eu
Statistisches Bundesamt (Destatis): Verbraucherpreisindex und Inflationsrate, monatlich aktualisiert. https://www.destatis.de
Finanztip: Einlagensicherung für Banken & Depots. Stand 15.07.2026. https://www.finanztip.de/sichere-banken/einlagensicherung/
Finanztip: Tagesgeld oder Festgeld: Unterschiede der Geldanlagen. Stand 28.10.2025. https://www.finanztip.de/tagesgeld-oder-festgeld/
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): Tagesgeld. https://www.bafin.de/DE/verbraucherinnen-verbraucher/themen-finanzprodukte/geldanlage/spareinlagen/tagesgeld/tagesgeld.html
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): Einlagensicherung und Anlegerentschädigung. https://www.bafin.de/DE/Verbraucher/Bank/Einlagensicherung/einlagensicherung_node.html
Verbraucherzentrale: Risiko und Einlagensicherung: Fragen und Antworten zur Geldanlage. Stand 27.02.2026. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/risiko-und-einlagensicherung-fragen-und-antworten-zur-geldanlage-5417
Bankdaten.de: Einlagensicherung 2026: 100.000 € Schutz & alle Banken im Vergleich. Stand Juni 2026. https://www.bankdaten.de/ratgeber/einlagensicherung.html
Verbraucherzentrale: Notgroschen, Ratgeber. Stand 12.02.2026. https://www.verbraucherzentrale.de/laura-zieht-aus/sparen
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